Forschungskolloquium am Hamburger Zentrum für Universitäres Lehren und Lernen

Frank Vohle

Studiert habe ich Sportwissenschaft mit Diplom an der Deutschen Sporthochschule Köln und weil ich den Hals nicht vollkriegte, noch Pädagogik auf Lehramt, zudem freiwillig ein paar Semester Wirtschaft mit 8 Scheinen an der Universität Köln. In jedem Fall ein Studium ohne ein rechtes Ziel, aber mit sehr großer Lust. Verdrehte Welt!

Wenn ich nochmal studieren könnte, würde ich … es wieder tun: also Sportwissenschaft als „Erstlingstat“, weil darin so wunderbar viele Perspektiven von Medizin bis Philosophie, von Wirtschaft bis Biochemie rund um ein Phänomen angesprochen werden, gerade richtig, um in sich hinein zu hören und zu fragen: Wo liegt deine Leidenschaft, auch über den Tag hinaus.

Im Moment treibt mich wissenschaftlich besonders die Frage um, wie man die Trennung von Praxis und Theorie aufheben kann in eine „theoretisierte Praxis“ und eine praxeologische Theorie, also eine Verschränkung der Blicke. Das hat dann auch ganz viel mit Beobachtungskompetenz zu tun, also nicht nur zu sagen, was wir beobachten, sondern mindestens auch wie.

Mein Weg in die Forschung ist kein Weg, sondern bestenfalls ein Sonderweg, denn als wissenschaftsnaher Bildungsunternehmer geht es mir primär um Praxisinnovationen und die sogenannten Erkenntnisse haben diesen zu dienen, müssen sich daran bewähren.

Wenn ich die Forschung verändern könnte, würde ich mich der Frage zuwenden, inwiefern sich Natur-, Sozial- und Bildungswissenschaft unterscheiden, um daraufhin die spezifischen Systembedingungen (Art der Erkenntnis, Standards, Systemöffnung) für die Bildungswissenschaft neu zu bestimmen. Ein Abschotten wie eine Totalöffnung geht jedenfalls nicht.

Wissenschaftliche Nachwuchsförderung sollte vor allem Neugier nach Verstehen des (noch) Unbekannten entfachen.

Am Forschungskolloquium habe ich teilgenommen, um die vielfältigen Erfahrungen mit Social Video Learning zu teilen und mit neuen Fragen der Teilnehmenden konfrontiert zu werden.

Die wichtigste Erkenntnis, die ich aus dem Kolloquium mitnehme, lautet: Die Förderung von Beobachtungskompetenz durch Social Vieo Learning bietet sowohl für die praktische Anwendung als auch die akademische Theoriebildung viel Potenzial; beim Ersten sind wir schon weit, beim zweiten erst am Anfang.

Hochschuldidaktik? Also für mich heißt das vor allem zu schauen, was und wie auch andere Disziplinen ihren Gegenstand beobachten, um einen Blick für diese Verschiedenheiten und Ähnlichkeiten zu gewinnen, um damit selbst schärfer (Analyse) und unschärfer (Synthese) zu sehen.