Ein anachronistischer Versuch

Nach knapp zwei Jahren Erfahrung mit unserem Forschungskolloquium am HUL haben wir ein paar konzeptionelle Änderungen erarbeitet (siehe hier). Unter anderem wollen wir (zusätzlich) ein neues Kolloquiumsformat ausprobieren, das nicht (Nachwuchs-)Wissenschaftler*innen mit ihren Forschungsvorhaben zum „Impulsgeber“ einer gemeinsamen Sitzung von drei Stunden macht, sondern eine wissenschaftliche Literaturquelle – also ein Buch z.B., das vorab (über einen längeren Zeitraum) gelesen wird. In unserem Forschungskolloquium am 29. September 2017 werden wir genau das ausprobieren (eine ausführlichere Erläuterung und Begründung findet sich hier). Uns ist bewusst, dass die notorische Zeitnot, die wir alle haben, dagegen zu sprechen scheint, so einen „Aufwand“ zu betreiben und ein ganzes Buch zu lesen, um darüber zu sprechen. In gewisser Weise wollen wir damit den anachronistischen Versuch machen, das Lesen und Sprechen über das Gelesene als wichtiges Element in und für die Forschung in unsere Kolloquiumskultur einzuführen.

Für den Aufschlag in diese Richtung haben wir ein schmales Bändchen mit gesammelten Aufsätzen des polnischen Mediziners und Wissenschaftstheoretikers Ludwik Fleck ausgewählt [Fleck, L. (1983). Erfahrung und Tatsache. Gesammelte Aufsätze. Frankfurt am Main: Suhrkamp]. Neben einer Einleitung der Herausgeber zur „Aktualität“ Ludwik Flecks (in den 1980er Jahren) in Wissenschaftssoziologie und Erkenntnistheorie enthält der Band sieben Texte aus den Jahren zwischen 1927 und 1960. Ziel ist es, die Erkenntnistheorie von Ludwik Fleck daraufhin zu analysieren, ob und inwiefern die Hochschuldidaktik bzw. genauer: die hochschuldidaktische Forschung von dieser lernen bzw. profitieren kann.

Unsere Anregung besteht darin, von jetzt an bis Mitte September im zweiwöchigen Rhythmus je einen Text (mit Einleitung insgesamt acht) zu lesen. Zitate aus den einzelnen Texten, von denen man als Leser meint, dass sie besonders gut bestimmte Botschaften bzw. Aussagen treffen, deren Eignung für die Hochschuldidaktik diskutiert werden sollte, können sukzessive hier im Blog als Kommentar gepostet werden.



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